In der Silvesternacht 2024/25 kamen mindestens fünf Menschen durch Unfälle mit Feuerwerk zu Tode. Zahlreiche Wohnungen und Autos fingen Feuer. Rettungskräfte und Polizisten wurden bei Ihren Einsätzen immer wieder mit Raketen und Knallkörpern angegriffen. Als Folge dieser Ereignisse verhängen viele deutsche Städte in bestimmten Zonen ein Böllerverbot zu Silvester. Landesverbände der GdP, die Bundesärztekammer und die Deutsche Umwelthilfe fordern sogar ein generelles Verbot des privaten Gebrauchs von Pyrotechnik.
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Illegale Böller, mehr Leichtsinn
Drei Faktoren machen das Zünden von Böllern zu Silvester immer gefährlicher: Erstens wird die Sprengkraft der Böller immer größer. Dies gilt vor allem für zum Beispiel illegal aus China importierte sogenannte „Kugelbomben“. Ein Fall aus der Silvesternacht 2024/25 schockierte besonders: In Westfalen hatte 19-Jähriger im großen Stil Kugelbomben und Böller illegal aus China beschafft und über soziale Medien zum Kauf angeboten. Ein 24-Jähriger erwarb bei ihm eine Kugelbombe mit 680 Gramm Schwarzpulverfüllung, zündete sie auf einem Feld bei Geseke und wurde durch die Explosion in Stücke gerissen.
Der zweite Faktor ist die mangelnde Sorgfalt im Umgang mit den Böllern. Ohne über die Folgen nachzudenken, werden sie im engen Umfeld von Menschen gezündet oder sogar in Menschenmengen hineingeworfen. um diese zu erschrecken. Auch gegen Ordnungs- und Polizeikräfte werden immer wieder Böller geworfen. Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, warnt vor den Folgen: „Gerade Verletzungen an Augen und Ohren häufen sich in der Silvesternacht. Besonders erschreckend ist, dass viele Kinder und Jugendliche zu Opfern werden. Auch leiden Menschen mit Atemwegserkrankungen, Schwangere und Menschen mit Kriegstraumata unter dem Lärm, den Explosionen und der Umweltverschmutzung durch die Feuerwerkskörper.“
Der dritte Faktor ist die steigende Sensibilisierung vieler Menschen für die Auswirkungen der Böllerei auf die Tierwelt. Wer einen Hund oder eine Katze hat, kennt dieses Thema und versucht Vorkehrungen zu treffen, dass sein Haustier möglichst wenig von der Knallerei zu Mitternacht mitbekommt. Die Tierschutzorganisation Peta fasst die Folgen so zusammen: „Jedes Jahr leiden die Tiere an Silvester unter dem Krach, den grellen Blitzen und den unbekannten Gerüchen. Für sie ist der Jahreswechsel oft eine traumatische Erfahrung, die zu Angstzuständen führen kann. Wildtiere oder auch heimatlose Katzen, die kein schützendes Zuhause haben, flüchten panisch vor dem Lärm, was lebensbedrohliche Folgen für sie haben kann – beispielsweise durch Autounfälle, wenn Tiere durch den Lärm aus dem Winterschlaf gerissen werden oder Vögel mit Feuerwerkskörpern kollidieren.“
Örtlich begrenzte Verbote
Die geltenden Regeln sind klar: Verkauft werden darf Feuerwerk nur an Erwachsene und das immer nur in der Zeit vom 29. bis zum 31. Dezember. Gezündet werden dürfen diese Feuerwerkskörper grundsätzlich nur am 31. Dezember und am 1. Januar. Die Bundesregierung will das private Abfeuern von Pyrotechnik auch künftig nicht generell verbieten. Das Umweltministerium verweist darauf, dass die Belastungen zeitlich und örtlich sehr begrenzt seien. Das mache die Verbote zu einer lokalen Angelegenheit: „Die Kommunen sind hier in der besten Position eine Entscheidung darüber zu treffen, ob sie Feuerwerk zulassen wollen oder nicht.“ Schließlich wird auch auf die private Verantwortung verwiesen: „Wer selbst etwas unternehmen möchte, kann sein eigenes Feuerwerk begrenzen oder ganz darauf verzichten und dadurch die Entstehung von Feinstaub, Müll und Lärm in der Silvesternacht reduzieren.“
Einige generelle Verbote gelten jedoch bundesweit: Man darf keine pyrotechnischen Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen wie Reet- und Fachwerkhäusern zünden. Außerdem gab es während der Coronazeit zum Jahreswechsel 2020/2021 und auch 2021/2022 ein generelles Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk.
Für den Jahreswechsel 2025/26 haben viele Städte und Kommunen bestimmte Bereiche definiert, in denen das Starten von Raketen und das Abfeuern von Böllern verboten ist. Meist liegen diese in den Innenstädten, wo sich zum Jahreswechsel besonders viele Menschen aufhalten.
Auch in der Bevölkerung nimmt die Lust am Feuerwerk ab: Eine YouGov-Umfrage aus dem November 2025 ergab: 63 Prozent der Befragten wollen an Silvester gar kein Feuerwerk zünden, weitere 13 Prozent halten es für wahrscheinlich, dass sie darauf verzichten werden. Nur ein geringer Teil der Befragten gab an, bestimmt (5 Prozent) oder wahrscheinlich (8 Prozent) böllern zu wollen.
Stephan Weh, Vorsitzender des GdP-Landesbezirks Berlin, bei der Übergabe der Petition zum Böllerverbot
GdP Berlin
Wird private Pyrotechniknutzung verboten?
Anfang Januar 2025 haben der Berliner Landesverband der GdP, die Deutsche Umwelthilfe und weitere Organisationen zwei Petitionen für ein bundesweites Böllerverbot an das Bundesinnenministerium übergeben. Die Aufrufe wurden von mehr als 1,9 Millionen Meschen unterstützt. Gefordert wird ein komplettes Pyrotechnikverbot für den Privatgebrauch, um Mensch, Tier und Umwelt vor schweren Verletzungen und irreparablen Schäden zu schützen. Stephan Weh, Landesvorsitzender der GdP Berlin: „Wir haben diese Petition als Berliner GdP ins Leben gerufen, um unsere Kolleginnen und Kollegen vor Gewalt durch Pyrotechnik zu schützen und freuen uns über die große Unterstützung. Für uns ist das Thema mit der Übergabe des aktuellen Standes an das BMI nicht erledigt. Jedes Jahr Anfang Januar wird darüber geredet, viel versprochen, aber nichts gegen diesen Wahnsinn getan.“ Die Rahmenbedingungen müssten dringend geändert werden, so Weh. Künftig sollten ausschließlich organisierte Veranstaltungen mit organisiertem Feuerwerk durch Profis wie in Sydney, London oder anderen Orten erlaubt sein.
Gegenwind kommt vom Verband der pyrotechnischen Industrie. Dieser hält nichts von einem Böllerverbot: „Feuerwerk zu Silvester verbinden die meisten Deutschen mit Freude und positiven Gefühlen. Diese Tradition sollte respektiert werden.“ Zudem verweist der Verband auf die wirtschaftliche Bedeutung. Die Branche generiere einen Umsatz von fast 200 Millionen Euro Umsatz pro Jahr.
Wie machen es unsere Nachbarn?
Auch im europäischen Ausland ist das Böllern zu Silvester ein kontroverses Thema. Unsere Nachbarn in den Niederlanden haben aus der zunehmenden Gewalt in der Silvesternacht nun die Konsequenzen gezogen: Ab Silvester 2026/2027 darf man in den Niederlanden zum Jahreswechsel kein Feuerwerk und keine Böller mehr zünden.
In Frankreich gelten allgemein bereits seit jeher strenge Regeln für den Verkauf und das Zünden von Feuerwerken. Ohne Genehmigung durch die Kommune darf keine Privatperson ein Feuerwerk zünden. Wo viele Menschen versammelt sind, darf grundsätzlich nicht geböllert werden. Es drohen Geldstrafen von bis zu 1500 Euro. Die Französinnen und Franzosen erfreuen sich deshalb an kommunalen Feuerwerken und lassen selbst die Finger weg von Raketen und Böllern.
WL (28.11.2025)

