Das Polizeimuseum in Hamburg
Das Polizeimuseum in Hamburg

Spektakuläre Kriminalfälle, Flugsimulator und kriminaltechnisches Labor

Gänsehaut-Feeling im Polizeimuseum Hamburg

Die Säge des Frauenmörders Fritz Honka, die gefälschten Hitler-Tagebücher und die präparierte Streusandkiste des Kaufhauserpressers „Dagobert“: All das konnten ursprünglich nur Polizeischüler betrachten. Doch seit 2014 ist die Lehrmittelsammlung der Hamburger Polizei auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Das interaktive Polizeimuseum bietet nicht nur einen Blick auf mehr als 200 Jahre Polizeigeschichte in Hamburg.

Das Polizeimuseum soll eine Brücke zwischen Polizei und Bürger schlagen, indem die Arbeit der Sicherheitsbehörde transparenter gemacht wird. So können die Besucher selbst auf Spurensuche gehen, Fälle lösen, mit einem Funkstreifenwagen bei einer virtuellen Fahrt mit Blaulicht mit dabei sein oder im Flugsimulator mit dem Polizeihubschrauber eine Runde drehen. Doch auch Präventionsangebote kommen nicht zu kurz, etwa zu Einbruchschutz oder Cybercrime.

In diesem Text erfahren Sie:

Hamburgs Polizeigeschichte

Hamburg hat eine mehr als 200jährige Polizeitradition. Im Jahr 1814 hat der Hamburger Senat eine einheitliche Polizeibehörde geschaffen, die damals 100 Mitarbeiter umfasste. Heute sind es über 11.000 Beamtinnen und Beamte und auch die Aufgaben sowie das Selbstverständnis der Polizei haben sich gewandelt. Das erste Kriminalmuseum in Hamburg wurde 1893 gegründet und diente als sogenannte Lehrmittelsammlung den Hamburger Polizeibeamten in ihrer Ausbildung. Für die Öffentlichkeit wurde das Museum im Jahr 2014 mit einem neuen Ausstellungskonzept zugänglich gemacht. Mit über 1400 Quadratmetern Fläche auf drei Etagen ist es das größte Polizeimuseum in Deutschland.

Museumsleiter und Erster Kriminalhauptkommissar Björn Wichmann

Museumsleiter und Erster Kriminalhauptkommissar Björn Wichmann

Polizeimuseum Hamburg

Die Säge des Frauenmörders

Im Inneren der ehemaligen Militärkaserne und späteren Ausbildungsstätte der Polizei ist Gänsehaut garantiert. Im Dachgeschoss des Polizeimuseums werden acht spektakuläre Hamburger Kriminalfälle gezeigt: Zum Beispiel die Säge des Serienmörders Fritz Honka. Mit ihr zerlegte er in den 1970er Jahren vier Frauen, die er zuvor ermordet hatte. Die Leichenteile versteckte er in seiner Wohnung. Beschwerden von Nachbarn wegen des starken Leichengeruchs blieben folgenlos. „Kommissar Zufall“ löste 1975 den Fall: Während der Mörder nicht zuhause war, brach im Haus, in dem Honka wohnte, ein Feuer aus. Bei den Löscharbeiten entdeckte ein Feuerwehrmann dann Leichenteile, woraufhin die Wohnung genauer durchsucht wurde. „Um die Fälle plastischer zu machen, werden im Museum Werkzeuge und Gegenstände ausgestellt, die von den Tätern benutzt wurden“, sagt Museumsleiter und 1. KHK Björn Wichmann. Da wäre auch die Original-Streusandkiste des Karstadt-Erpressers Arno Funke alias „Dagobert“. Durch deren Boden hatte der für seine technische Raffinesse bekannte Erpresser 1993 durch einen Regenwasserkanal das vermeintliche Geldpaket an sich genommen, dessen Inhalt lediglich Papier war. Auch ein selbst konstruiertes U-Boot von Funke, das allerdings nie zum Einsatz kam, ist im Polizeimuseum ausgestellt. „Das zeigt, welches technische Geschick dieser Mann besessen hat“, sagt der Museumsleiter. „Dagoberts“ Taten gingen als längster und aufwendigster Erpressungsfall in die deutsche Kriminalgeschichte ein.

Ausstellung von Tatwaffen

Ausgestellt sind auch die Waffen, die der Auftragsmörder Werner „Mucki“ Pinzner benutzte. Der „St.-Pauli-Killer“ erschoss 1986 während einer Vernehmung im Hamburger Polizeipräsidium den ermittelnden Staatsanwalt, seine eigene Frau (die den Revolver im Slip hineingeschmuggelt hatte) und schließlich sich selbst. Neben all den Waffen und Werkzeugen wirken die drei ausgestellten Bücher auf den ersten Blick eher unscheinbar. Dabei gingen die Originalfälschungen in die deutsche Pressegeschichte ein: Es sind die berühmten „Hitler-Tagebücher“, die von dem Fälscher Konrad Kujau 1983 erstellt und vom Nachrichtenmagazin „Stern“ veröffentlicht wurden – in der Annahme, sie seien echt. Das Ergebnis der Echtheitsuntersuchung des Bundeskriminalamts widerlegte die Annahme.

Nicht zu sehen gibt es im Museum indes blutrünstige Fotos, Bilder von Opfern zum Beispiel. „Wir legen Wert auf den korrekten Umgang mit beteiligten Personen“, sagt der Museumsleiter. Die Auswahl der Ausstellungsstücke und genannten Fakten im Museum erfolgt nach ethisch-moralischen Gesichtspunkten und den gängigen Standards von Museen.

Vom Nachtwächter bis zu Cybercrime

Die Fälle sollen die Ermittlungsarbeit der Hamburger Polizei dokumentieren und erklären. Eine 200 Jahre zurückreichende Zeitreise erwartet die Besucher im Erdgeschoss des Hamburger Polizeimuseums. „Hier wird die Geschichte der Hamburger Polizei gezeigt: Die Entwicklung vom Nachtwächterwesen über die Errichtung einer einheitlichen Polizeibehörde 1814 bis hin zur heutigen Polizei“, erklärt Björn Wichmann. „Ein besonderer Fokus liegt auf der Rolle der Hamburger Polizei im Dritten Reich: Die sogenannten Polizeibataillone, die im Osten an Erschießungen beteiligt waren, werden in einem Sonderbereich thematisiert.“ Auch die jüngere Geschichte der Polizei wird aufgegriffen: Beginnend mit der großen Sturmflut 1962, bei der der damalige Innensenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt eigenmächtig die Bundeswehr zur Hilfe geholt und in der Katastrophenhilfe eingesetzt hatte. Die Schwierigkeiten bei der Bewältigung dieses Katastropheneinsatzes bei der Zusammenarbeit mit der Polizei und anderen Hilfsorganisationen werden thematisiert.

Doch die Ausstellung leistet noch mehr: „Auch die daraus hervorgegangenen neuen Strukturen, die Neukonzeption des Katastrophenschutzes und die Gründung der Hamburger Innenbehörde werden dokumentiert – etwa durch Zeitzeugeninterviews und Filme“, erklärt der Museumsleiter. Die Rolle der Polizei wurde über die Jahrhunderte immer wieder von politischen und sozialen Entwicklungen geprägt. Im politischen Bereich etwa durch die NS-Geschichte, im gesellschaftlichen Bereich spielen die sozialen und technischen Entwicklungen eine große Rolle. „Sie fordert die Polizei immer wieder aufs Neue, was eine ständige Neuorientierung zur Folge hat“, sagt Wichmann. Ein zentrales Thema in jüngster Zeit ist „Cybercrime“, also die Kriminalität im Internet. Sie soll im Museum zukünftig stärker berücksichtigt werden. Aber auch im realen Leben ist Hamburg ein Drehkreuz zwischen den Welten: Durch den Hafen ist die Hansestadt für Kriminelle besonders interessant. Das ist eine Besonderheit der Polizeiarbeit in Hamburg.

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Polizeimuseum Hamburg
Carl-Cohn-Straße 39
22297 Hamburg
Tel. 040/4286-680 80
Mail: polizeimuseum.hamburg@ak.polizei.hamburg.de
Web: https://www.polizeimuseum.hamburg/

Das Polizeimuseum ist dienstags, mittwochs, donnerstags und sonntags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Fälle lösen, Streifenwagen fahren und Hubschrauber fliegen

In einer Etage des Polizeimuseums Hamburg befindet sich ein kriminaltechnisches Labor. „In dem können vornehmlich Kinder und Jugendliche – aber auch Erwachsene – versuchen, Kriminalfälle mit technischen Mitteln zu lösen“, erklärt Museumsleiter Wichmann. „Dadurch möchten wir unseren Besuchern zeigen, wie die Polizei anhand von Spuren und Dingen, die sie am Tatort findet, einen Fall aufklärt.“ Wenn der Fall gelöst ist, muss natürlich der Täter „erkennungsdienstlich behandelt werden“, wie es bei der Polizei heißt. Das von den Besuchern aufgenommene „Verbrecherfoto“ ist ein begehrtes Andenken an den Museumsbesuch.

Wer mehr Action möchte, dem empfiehlt Wichmann einen Flug mit dem Polizeihubschrauber über Hamburg: „Wir haben einen Flugsimulator, in dem man ein Einsatzszenario zwischen dem Hubschrauber und zwei Hafenstreifenbooten im Hamburger Hafen erleben kann“, sagt Wichmann. Spektakulär ist auch eine Einsatzfahrt auf Hamburgs Straßen in einem weiteren Simulator. Die Besucherinnen und Besucher können sich hinter das Lenkrad eines echten Funkstreifenwagens setzen. Mit Sonderrechten geht es dann virtuell durch die Hamburger City. Wer einmal mit Blaulicht und Martinshorn gefahren ist und sich dabei auf den Straßenverkehr konzentrieren muss, bekommt eine Ahnung davon, wie anspruchsvoll und adrenalinsteigernd diese Einsatzfahrten für Polizisten sein können. Der Peterwagen, ein Mercedes-Benz der E-Klasse, der für diese Fahrsimulation genutzt wird, ist mit560 Kilo das schwerste Exponat im Polizeimuseum.

Das Polizeimuseum lässt die Besucher erleben, wie vielfältig Polizeiarbeit sein kann. Der Beruf des Polizisten sei sehr vielseitig, erzählt der Museumsleiter: „Sie können Hubschrauberpilot sein, Biologe, Chemiker, Psychologe, Taucher, Hundeführer oder auch Museumsleiter, so wie ich.“ Vielfältig ist auch das Angebot des Museums. Neben den vielen Erlebniswelten mit ihren Ausstellungsstücken gibt es zahlreiche Veranstaltungen wie den Krimi-Salon oder spezielle Informationen zur Kriminalprävention. Auch Kindergeburtstage können an Sonntagen im Museum ausgerichtet werden. Noch allerdings ist diese Institution für viele Hamburger ein Geheimtipp.

KS/TE (31.10.2025)

Bildergalerie © Polizeimuseum Hamburg

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